Bei der FDP bleiben Zweifel am WLE-Gutachten

Jörg Berens

Jörg Berens

„Wir sind nicht per se gegen die Reaktivierung der WLE-Strecke (Westfälische Landeseisenbahn), aber wir werden es uns nicht nehmen lassen, auch die weiteren Schritte kritisch zu hinterfragen und zu begleiten“. Jörg Berens, der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, sprach damit aus, was die beiden Gäste schon vor dem Besuch in der Fraktionssitzung wussten: Dipl.-Ing. Markus Rümke vom ZVM (Zweckverband Schienenpersonennahverkehr) und Johann Ubben von der WLE waren auf eine harte Diskussion vorbereitet.

Die entspann sich hauptsächlich an der  Kosten-Nutzen-Analyse im kürzlich vorgelegten Gutachten für eine  wiederbelebte Bahnstrecke zwischen Sendenhorst und Münster. Viele kritische Fragen der FDP-Politiker – etwa zum prognostizierten hohen Fahrgastpotenzial und anderen unterschiedlich bewerteten Grundannahmen – hörten die beiden Fachleute. Sie wiesen immer wieder darauf hin, dass das Gutachten der PTV Consult GmbH mittels der bundeseinheitlichen „Standardisierten Bewertung“ erstellt worden sei. „Dies ist eine modellhafte Berechnung“, so Ubben, der auf Nachfragen hervorhob, dass sich nahezu alle aufgrund solcher Gutachten berechneten Modelle im Nachhinein positiver entwickelt hätten als geplant.

Da einer der Hauptkritikpunkte das Miteinander von Bahn und ÖPNV gerade im Bereich der Stadt Münster – Stichwort Zukunft der Linie 8 – ist, wird die FDP-Fraktion auch weiterhin das Gespräch mit den Stadtwerken und der Bürgerinitiative gegen die WLE-Reaktivierung suchen, so Berens. Im Übrigen erfuhren die Fraktionsmitglieder, dass es neben den Personenzügen keinen Güterverkehr auf einer reaktivierten Bahntrasse geben werde, auf der nach Aussagen von Johann Ubben „jede Schiene und jede Schwelle gewechselt“ werde, ehe etwa 2023 der Betrieb aufgenommen werden könnte. Ob dann noch Dieselfahrzeuge eingesetzt würden, sei eher unwahrscheinlich, so vermuten beide Experten. Dass weiterhin Zweifel der Freien Demokraten an der Stichhaltigkeit der positiven Kosten-Nutzen-Analyse bestehen, konnten weder Ubben noch Rümke letztlich ausräumen. Beide bedankten sich aber für die intensive Diskussion mit den FDP-Vertretern.

2019-05-08T12:07:25+00:00 08. Mai 2019|